Die Friedhofskapelle

Der Remmighauser Friedhof nach 1945…

Zur Zeit des Bürgermeisters Heinrich Kohsiek zeigte der Gemeindedirektor am 14.09.1951 folgendes an das Kreisbauamt an:

„Der Friedhof in Remmighausen war seit 1926 im Besitz der Kirchengemeinde Detmold Ost. Da aber kein Geld vorhanden war, um den Friedhof in ordentlichen und würdigen Zustand zu halten, wurde er jetzt an die Gemeinde abgetreten ohne Bezahlung. Die Bedingungen der Kirchengemeinde zur Übernahme war zusammengefasst etwa wie folgt:

  1. Es soll den Pfarrern der ref. Und anderen Kirchen für immer gestattet sein an den Gräbern ihren Dienst zu versehen.
  2. Der Pfarrer der ref. Gemeinde hat das Recht an besonderen Tagen z.B. Friedhof Gottesdienst zu halten.“

 

Schon1950 erfolgte zudem die Erweiterung des Friedhofsgeländes. Unter anderem die Änderung der Bestattungskultur („Da die neuen Siedlungshäuser räumlich so beengt sind, dass man von ihnen kaum noch die Toten in hergebrachter Weise bestatten kann“) machte den Bau einer Friedhofshalle sehr dringlich“ (K.Schnarre, 1952, S.69). Zur 900-Jahr-Feier 1952 wurde sie fertig gestellt.

Seit 1950 wird übrigens jeweils mittags um 12.00h jeder Sterbefall im Dorf durch das Läuten der Glocken verkündet. Der damalige Pastor Kramer schenkte der Gemeinde eine Glocke aus dem Vermögen des gefallenen Sohns, so dass das Geläut möglich wurde.

 

Der Friedhof heute

Die Begründung für den Bau der Friedhofshalle 1952 zeigt, dass es immer wieder neue Arten der Bestattungskultur gab. Heute nehmen u.a. die Urnenbestattungen immer mehr zu. Insofern gibt es heute auch auf unserem Friedhof neben den üblichen Erd- bzw. Sargbestattungen auch Urnengräber und –felder. Zum einen erfordern letztere weniger Fläche, Pflege, Friedhofsgebühren und Kosten. Zum anderen hat sich auch die Intensität der Friedhofsbesuche verändert, Angehörige wohnen nicht mehr in der Nähe oder kleinere Gräber benötigen weniger Pflege.

Auch dies führt dazu, dass die Friedhöfe Kostendefizite für die Kommunen verursachen. Aufgrund dessen werden Ideen entwickelt, die dazu führen, dass bestimmte Kapellen oder Friedhöfe geschlossen werden (sollen). Auch der Remmighauser stand mit vier weiteren Friedhöfen im Stadtgebiet von Detmold zur Disposition. Über die Gründung einer Friedhofsgruppe innerhalb des Dorfvereins unter der Leitung von Siegfried Schafmeister, die sich verpflichtete die Pflege des Friedhofs ehrenamtlich zu übernehmen, wurde die Schließung verhindert. Somit sind Bestattungen auf dem Friedhof bis heute und in Zukunft möglich. Seit nunmehr sieben Jahren kommt diese Gruppe ihrer Verpflichtung nach. Viele Remmighauser sagen, dass der Friedhof heute besser aussieht als vor der Übernahme, sicherlich ein großes Kompliment für alle Aktiven in der Gruppe. Seit nunmehr drei Jahren nutzt der Dorfverein zudem die Kapelle als Lagerraum, nachdem sie kaum noch für Beerdigungen genutzt und folglich anschließend entweiht wurde.

Sicherlich wäre der Friedhof nicht sofort geschlossen worden, doch neue Begräbnisse hätte es nicht mehr gegeben. Die Stadt hätte dann auch die nächsten 25 Jahre den Friedhof noch pflegen müssen und er wäre dann 2033 komplett aufgegeben worden. So immerhin ersparen wir der Stadt jährlich einen unteren vierstelligen Betrag über diese gesamte Zeit.

Über die Hilfe der euwatec, eine Initiative zur Integration Langzeit-Arbeitsloser wurde die Kapelle mit den Denktafeln, Fenstern und dem Mauerwerk 2014 renoviert.

Der Dorfverein möchte in nächster Zeit sowohl das Urnenfeld anders gestalten als auch an diejenigen erinnern, die zwar auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden haben, deren Grabstätten jedoch nicht mehr gekennzeichnet sind.

Vielleicht lässt sich die weiße Wand an der Kapelle dafür nutzen, indem wir kleine Plaketten anfertigen, um an diese „abgelaufenen“ Gräber zu erinnern oder selbst an die „alten Remmighauser“ erinnert zu werden.

 

Erinnerungen

Auf dem Friedhof erinnern noch heute insbesondere zwei Orte an den Ersten Weltkrieg. Zum einen ist es das „Kriegerdenkmal“ in der nordöstlichsten Ecke des heutigen Friedhofs. Zum anderen die nach dem zweiten Weltkrieg durch den Remmighauser Holzbildhauermeister Walter Altmeier (der auch jahrelang das ortsansässige Beerdigungsinstitut innehatte, ehe es in den 1980er Jahren von Birgit Fleck übernommen wurde) angefertigten Gedenktafeln an beiden Seiten der Eingangstüre zur Friedhofskapelle. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 beklagte unsere Gemeinde kein Todesopfer, im 1.Weltkrieg waren es 15 und aus dem 2. Weltkrieg kamen mehr als 55 Remmighauser nicht wieder zurück. Sie sind namentlich auf den Tafeln vermerkt.

 

Erinnerungen aus dem 1.Weltkrieg

Nicht nur auf dem Friedhof lassen sich noch Spuren des 1. Weltkriegs finden, auch in den Häusern sind oftmals noch Erinnerungsstücke zu finden, z.B. auch die damals üblichen Feldpostkarten. Einige zeigen wir an dieser Stelle, denn diese sind mittlerweile fast hundert Jahre alt und geben vielfach die letzten Lebenszeichen der absendenden Soldaten aus dem Krieg wider.

Hoffentlich, und das wünschen wir uns nicht nur heute, aber auch heute ganz besonders, in Europa und der ganzen Welt, brauchen wir nie wieder Tafeln an der Friedhofskapelle, werden nie wieder derartige Postkarten verschickt werden müssen.